Der neue C3-Lehrgang: Welche Bedürfnisse hat ein Amateurblasorchester?

Seit Herbst dieses Jahres bietet der BVBW in Kooperation mit der Deutschen Dirigenten-Akademie einen ganz neu konzeptionierten C3-Lehrgang an, der in dieser Form bundesweit einmalig ist – und hat damit genau ins Schwarze getroffen. Die Teilnehmer des Kurses in Bad Schussenried sind zum Ende der ersten Kompaktphase begeistert und hoch motiviert.

Prof. Peter Vierneisel und LMD Bruno Seitz (hintere Reihe, von links) mit den Teilnehmern des C3-Lehrgangs in Bad Schussenried. (Foto: Härtl)

Seit Herbst dieses Jahres bietet der BVBW in Kooperation mit der Deutschen Dirigenten-Akademie einen ganz neu konzeptionierten C3-Lehrgang an, der in dieser Form bundesweit einmalig ist – und hat damit genau ins Schwarze getroffen. Die Teilnehmer des Kurses in Bad Schussenried sind zum Ende der ersten Kompaktphase begeistert und hoch motiviert.

Der C3-Lehrgang umfasst drei Kompaktphasen mit jeweils fünfeinhalb Tagen. Von 9 bis 21.30 Uhr steht innerhalb dieser Kompaktphasen intensives Arbeiten auf dem Programm. Der Kurs bietet Platz für 15 Personen. Diese 15 Plätze waren Landesmusikdirektor Bruno Seitz zufolge innerhalb kürzester Zeit vergeben und die Nachfrage war sogar so groß, dass sich der BVBW und Vierneisel dazu entschieden, noch einen zweiten Kurs anzubieten. Auch dieser war nach wenigen Wochen ausgebucht. Und nach wie vor stehen Teilnehmer auf der Warteliste.

Das neue Konzept

Worin sich der C3-Lehrgang von allen anderen unterscheidet, ist der Schwerpunkt Amateurblasorchester. Vierneisel erklärt: »Amateurblasorchester haben ganz andere Bedürfnisse als Profi-Orchester. In der Vergangenheit hatten wir häufig das Problem, dass wir zwar künstlerisch top ausgebildete Dirigenten hatten, das Amateurblasorchester aber trotzdem nicht umsetzen konnte, was der Dirigent von ihm will. Das Ergebnis war Frustration auf beiden Seiten und dass sich Verein und Dirigent nach einigen Jahren wieder trennten.«

Es stelle sich nun die Frage, ob das Problem damit gelöst werde, dass bei den Musikern ein immer professionelleres Können zur Voraussetzung erklärt werde. Sowohl Vierneisel als auch Seitz sind jedoch der Meinung, dass diese Vorstellung im Amateurbereich nicht aufgehen kann, sondern der Dirigent erweiterte Kompetenzen benötigt, um im Rahmen der künstlerisch-musikalischen Arbeit die Musiker in ihren orchestralen Eigenkompetenzen zu schulen.

So gehört es heute zum Aufgabengebiet eines musikalischen Probenprozesses mit dazu, durch die gesellschaftlichen Veränderungen bedingte Probleme wie schlechter Probenbesuch, Unpünktlichkeit oder fehlende Identifikation mit dem Verein zu lösen. Den dafür notwendigen dirigentischen Kompetenzen widmet sich Vierneisel seit vielen Jahren forschend und lehrend im Rahmen seiner Professur an der Universität Potsdam und in der Deutschen Dirigenten-Akademie.

Natürlich müsse auch der Dirigent eines Amateurblasorchesters künstlerisch gut ausgebildet sein. Er hat aber noch ganz andere Herausforderungen zu meistern. Dazu gehören beispielsweise zahlreiche Aufgaben, die sich vor allem auf die sozialen Aspekte eines Musikvereins konzentrieren.

Eine vielseitige Gruppe

Unter den 15 Teilnehmern gibt es sowohl Dirigenten mit jahrelanger Erfahrung, die auch schon diverse Kurse besucht haben, aber genau diese sozialen Aspekte als bedeutend und maßgeblich entscheidend für eine heute erfolgreiche dirigentische Arbeit mit einem Amateurorchester erkannt haben, als auch Anfänger ohne jegliche Vorkenntnisse, die einfach mal »die andere Seite des Dirigentenpults kennenlernen wollen«, wie ein Teilnehmer aus dem Kreisverband Zollernalb.

Ein Großteil der Teilnehmer kommt aus dem Verbandsgebiet des BVBW, es sind aber auch Teilnehmer aus Südtirol, Rheinland-Pfalz und Bayern dabei, die sich ganz bewusst für den Kurs in Baden-Württemberg mit eben diesem Konzept entschieden haben.

Eine Zusammenfassung der ersten Kompaktphase

In der ersten Kompaktphase sollen die Teilnehmer ein Verständnis dafür bekommen, was eigentlich genau ein Amateurblasorchester ausmacht und welche Bedürfnisse es hat. Zu Beginn des Kurses stellte Vierneisel den Teilnehmern deshalb die Frage, aus welchen Gründen man in den Musikvereinen und Orchestern, aus denen sie kommen, mitspielen sollte. Das Ergebnis war eine umfangreiche Liste, die sowohl musikalische aber tatsächlich noch viel mehr soziale Aspekte beinhaltete.

Über das künstlerische Musizieren die sozialen Bedürfnisse eines Amateurorchesters zu erfüllen, bilden die Lerninhalte des neuen C3-Kurses im BVBW. Deshalb werden neben den dirigiertechnischen Kompetenzen auch amateurorchesterpädagogische Kompetenzen geschult. Genau dies ist auch der Unterschied zur dirigentischen Arbeit mit einem Profiorchester, in dem nur die künstlerische Leistung zählt.

Positive Rückmeldungen auf diese Vor­gehens­weise erfuhren die Teilnehmer bereits bei der ersten Probe mit dem Lehrgangsorchester: »Klang, Intonation, Flexibilität und Spaß – alles wurde durch diese Vorgehensweise besser. Die Freude am Tun wächst!«, ­rekapituliert Vierneisel mit den Teilnehmern.

Eine Teilnehmerin erinnert sich erfreut an die Rückmeldung des Vorsitzenden des Lehrgangsorchesters: »Die Probe hätte gerne noch mal so lange dauern können.« Das Lehrgangsorchester ist übrigens ein ganz normaler Musikverein, darauf legt Vierneisel großen Wert: »Es soll schließlich eine realistische Probensituation entstehen.«

Und wie geht’s weiter?

Zwischen den Kompaktphasen haben die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Erfahrungen aus dem Kurs in die Praxis umzusetzen und in ihren Orchestern und Ensembles zu üben. In den nächsten Phasen soll das bisher Gelernte weiter vertieft und ausgebaut werden.

Die Stimmung bei den Teilnehmern ist positiv. Eine Teilnehmerin aus dem Kreisverband Esslingen fasst ihren Eindruck aus der ersten Phase folgendermaßen zusammen: »Ich habe bisher alles aufgesaugt wie ein Schwamm und bin schon ganz gespannt, wie es weitergeht.«

Cornelia Härtl


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LMF 02. Juli 2017 Horb a.N.

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